Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie – ADO

Die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) ist eine Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Wir befassen uns mit dem Thema Hautkrebs.

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Im Gedenken an Prof. Dr. med. Wolfram Sterry

Mit großer Trauer müssen wir Abschied nehmen von Prof. Dr. med. Wolfram Sterry, der am 19. September 2020 verstarb. Er war ein herausragender Dermatologe und Dermatoonkologe, der die ADO und mich persönlich über mehr als 30 Jahre begleitet und geprägt hat.

Viele Nachrufe nicht nur durch die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG), sondern auch durch die International League of Dermatological Societies (ILDS) werden Wolfram Sterry gewidmet werden. Diesen beiden bedeutenden Gesellschaften verhalf er als Präsident zu großem Glanz. Es wird kaum gelingen alle anderen akademischen Positionen, Ehrungen und Netzwerke von Wolfram Sterry aufzuführen, da seine nationale und internationale Repräsentanz aufgrund seiner Talente und seines ungewöhnlichen Charismas einfach überragend war. Ich möchte vielmehr einen kurzen persönlichen Rückblick auf sein bemerkenswertes Leben geben.

1984 kam Wolfram Sterry aus Köln als leitender Oberarzt und Stellvertreter von Professor Christophers an die Universitäts-Hautklinik Kiel. Ich lernte ihn noch als Medizinstudent kennen und gleich schätzen, da seine Vorlesungen von einer außerordentlichen didaktischen Brillanz waren. Noch vor dem Praktischen Jahr wurde ich sein Doktorand und er führte mich hervorragend in das Themengebiet der Dermatoonkologie im Allgemeinen und der kutanen Lymphome - damals schon sein „Steckenpferd“ - im Speziellen ein. Seine Ratschläge im klinisch-wissenschaftlichen Bereich, aber auch in Stilfragen („ohne Krawatte werden sie nur schwer Karriere in der Derma machen können!“) ließen ihn zu einem verehrten Mentor werden. Als leitender Oberarzt in Kiel zeigte er eine ausgesprochen große Geradlinigkeit und 100%ige Zuverlässigkeit mit der ihm eigenen Zielstrebigkeit. In Erinnerung an seine Kieler Zeit bleibt aber nicht nur ein herausragender Kliniker und Wissenschaftler, sondern auch ein breit interessierter Kunst- und Kulturinteressierter, der sich auch durch seinen subtilen Humor im Alltag und bei Festen auszeichnete. 

Bereits damals wurde für mich ersichtlich, dass Wolfram Sterry nicht nur ein herausragender Repräsentant der Dermatologie war, sondern auch ein wahrer Genießer im privaten Leben. Ein Gutes (auch schon damals präferentiell) lokales oder italienisches Essen – auf dem Markt selbst eingekauft - mit einem schönen Wein und die Freude am Kochen insbesondere mit seiner geliebten Frau, Dr. Gerda Sterry, die ihn von Köln in die Kieler Hautklinik als Dermatologin begleitet hatte, waren für ihn die beste Erholung von anstrengenden und langen Arbeitstagen. Wolfram war ein wahrer „Schöngeist“! Nachdem Wolfram 1991 nach Ulm und von dort 1994 an die Charité nach Berlin weiterzog, um dort jeweils als Ordinarius erfolgreich weiter zu wirken, krönte er sein akademisches Lebenswerk in der Bundeshauptstadt. Sein dortiges unermüdliches Wirken mit Einführung zahlreicher Innovationen an der Charité Hautklinik, aber auch bei der Optimierung von interdisziplinären Strukturen in der Forschung und Klinik war fortan wegweisend.

Dass die erste von vielen Stiftungsprofessuren an der Charité Hautklinik dann mit Eggert Stockfleth an einen ehemaligen Kieler ging, war sicherlich auch kein Zufall. Es gab und gibt sicherlich nicht viele Dermatologen mit derart vielen Visionen zur Entwicklung unseres Faches und der sich schon damals immer weiter entwickelnden Interdisziplinarität der Medizin wie sie sich auch an der weiteren Entwicklung der Charité als Klinik mit Weltruf in der Dermatologie zeigte. Die Berufung als Dekan sowohl an seinen Wirkungsstätten in Ulm als auch nachfolgend in Berlin drückt auch seine herausragenden Führungsqualitäten aus. Auch als Bundesgesundheitsminister wäre Wolfram Sterry sicherlich aufgrund seines konzilianten Verhandlungsgeschicks, seines profunden Fachwissens und der breiten Bildung erfolgreich gewesen.

Zutiefst beeindruckt hat Wolfram mich in den Jahren seiner schweren Erkrankung mit einer schier unglaublichen Demut, aber auch einem großen Kampfgeist. Wolfram hat sich nicht etwa der Erkrankung hingegeben, sondern wissenschaftlich rational begründet wirklich alle verbleibenden experimentellen Therapieoptionen ausgeschöpft und ist dabei ohne jemals aufzugeben mit viel Optimismus durch viele Täler gegangen. Dabei ist er von einem Netzwerk von ihm vertrauten Experten betreut und begleitet worden. Ich persönlich fühlte mich geehrt, dass ich ihn in diesen nicht immer einfachen Jahren beratend begleiten durfte.

Seine Lebenslust wurde nicht nur, aber auch durch den Kauf eines Domizils in seinem geliebten Italien, durch das Lernen der italienischen Sprache und die Vertiefung der italienischen Kochkünste trotz schwieriger Begleitumstände lange Zeit aufrecht erhalten. Man sah Wolfram selbst durch das Telefon strahlen, wenn er über Dolce Vita in Italien sprach. Als wir vor wenigen Wochen das letzte Mal miteinander telefonierten, war für uns beide klar, dass dies eine Verabschiedung ist.

Lieber Wolfram, ich sage es hier und jetzt noch einmal: „Es war für mich und viele andere wunderbar, Dich als akademischen Lehrer, Mentor und Freund über mehr als 30 Jahre an unserer Seite zu wissen. Du wirst unvergessen als ein ganz Großer unserer Faches und wunderbarer Mensch in unserem Gedächtnis bleiben!“

Die deutsche und internationale Dermatologie und Dermatoonkologie verliert einen echten Freund und eine herausragende Persönlichkeit, die überall Spuren hinterlässt. Wir denken in diesen schweren Tagen an seine liebe Frau, Dr. Gerda Sterry.


Axel Hauschild, Kiel

 

 

 

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