Berndt RD, Takenga MC, Kuehn S, Preik P, Dubbermann D, Juenger M. Development of a mobile teledermatology system. Telemed J E Health 2012
Komitee Regionale dermatoonkologische Versorgungskonzepte
Die Versorgung von Krebspatienten in städtischen Regionen ist durch städtische und Universitätskliniken, niedergelassene Fach- und Hausärzte sowie gute Erreichbarkeit in der Regel gewährleistet. In ländlichen Regionen zeigen sich zunehmend Probleme bezüglich einer ausreichenden Versorgung von Krebspatienten. Bei zunehmendem Anstieg des Altersquotienten treten gehäuft Krebserkrankungen auf und nimmt der Versorgungsbedarf vor allem im ländlichen Raum zu. Gleichzeitig sinkt kontinuierlich die Anzahl der Hausärzte, Fachärzte und Onkologen besonders im ländlichen Raum. Neue medikamentöse Tumortherapien wie z.B. zielgerichtete und immunonkologische Therapie sowie multimodale Therapien nehmen permanent zu. Die Nebenwirkungen dieser Therapien sind neu, vielfältig und können lebensbedrohlich verlaufen. Das Nebenwirkungsmanagement erfordert daher Spezialwissen und Expertise. Ältere komorbide Krebspatient:innen im ländlichen Bereich können Städte teilweise nicht erreichen. Fahrtkosten für Kontrollen werden nicht immer von den Krankenkassen erstattet und komplexe Kontrollen für neue Therapien können nicht immer von Hausärzt*innen durchgeführt werden. Daher sind für Krebspatient*innen in ländlichen Regionen und die betreuenden Ärzt*innen neue Versorgungskonzepte erforderlich (Literatur: Vehling-Kaiser, Ursula; Utke, Daniela; Kaiser, Florian, Dtsch Ärztebl. 2018).
Ziel des Komitees „Regionale dermatoonkologische Versorgungskonzepte“ ist es, nachhaltige Versorgungsstrukturen zu schaffen, um eine bestmögliche, d.h. patientenorientierte, leitliniengerechte und möglichst wohnortnahe Versorgung für Hautkrebs-Patienten in unseren Versorgungsregionen sicherzustellen.
Sprecherin
Prof. Dr. med. Friedegund Meier
Universitätsklinikum Dresden
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Oberärztin, Leiterin Hauttumorzentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Telefon 0351 4583677 friedegund.meier@ukdd.de
Sprecher
Prof. Dr. Dr. med. Sebastian Haferkamp
Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube Straße 40
06120 Halle (Saale)
Designierte Sprecherin
Prof. Dr. med. Cindy Franklin
Universitätsklinikum Dresden
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Leitende Oberärztin, Leitung Hauttumorzentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Telefon 0351 4582290 cindy.franklin@ukdd.de
Weitere Mitglieder
- Dr. med. Andreas Arnold, Greifswald
- Dr. rer. medic. Maike Bergmann, Dresden
- PD Dr. med. Konstantin Drexler, Regensburg
- Prof. Dr. med. Thomas Eigentler, Berlin
- Luisa Herda, Halle
- Prof. Dr. med. Martin Kaatz, Cottbus
- Dr. med. Julienne Kaufhold, Cottbus
- Dr. med. Stine Lutze, Greifswald
- Dr. phil. Daniela Piontek, Dresden
- Prof. Dr. med. Claudia Pföhler, Homburg
- Dr. med. Michael Sachse, Bremerhaven
- Prof. Dr. med. Lars Alexander Schneider, Ulm
- PD Dr. Olaf Schoffer, Dresden
- Sabine Sell, Gera
- Prof. Dr. med. Michael Weichenthal, Kiel
- Prof. Dr. med. Mirjana Ziemer, Leipzig
Projekte
Universitätsklinikum Dresden:
Prof. Dr. med. Friedegund Meier, Prof. Dr. med. Cindy Franklin, Dr. Maike Bergmann, Heidi Weber & Anne Müller-Schuchardt
Hintergrund/Ziel
- Schaffung nachhaltiger Versorgungsstrukturen zur Sicherstellung patientenorientierter, leitliniengerechter und wohnortnaher Versorgung von Hautkrebspatienten in der Region
- Weiterentwiclung und Roll-Out des Video-Tumorboard PLUS im Rahmen des ONCOnnect Verbundprojekt, d.h. Verbesserung des Zugangs zur Vorstellung im Video-Tumorboard für regionale Versorgungseinrichtungen und Anbindung an supportiven Angeboten
- Vorstellung externer Patient*innen im ECTU-Board sowie Molekularem Tumorboard ermöglichen
- Ausbau der Zusammenarbeit mit ONCOnnect-Teilprojekten (u.a. ONCOtrials, ECTU-Tumorboard, kombiniertes Screening für Supportivtherapien, ONCOsupport)
- Anbindung von externen Patient*innen an die KV-Eigenpraxis in Ebersbach-Neugersdorf (besetzt durch Dermatolog*innen des Universitätsklinikums Dresden) für eine wohnortnahe Versorgung
Arbeitsschwerpunkte
- Frühdiagnose
- Systemtherapien
- Nebenwirkungsmanagement unter Immuntherapien
Universitätsklinikum Greifswald:
Dr. med. Andreas Arnold. Dr. med. Stine Lutze
Hintergrund/Ziel
- Vereinfachung des Zugangs zu medizinischer Therapie (raschere Kontaktaufnahme, keine pers. Vorstellung erforderlich, kein Termin)
- Telemedizin ermöglicht medizinische Maßnahmen (anamnestisch, diagnostisch und ggf. therapeutisch) trotz räumlicher u./o. zeitlicher Trennung von Arzt und Patient:
- „Telemedizinisches Konsil“: Konsultierter Facharzt kann via Telemedizin Stellung nehmen und Therapieempfehlungen geben
- Qualitätsverbesserung der med. Behandlung durch mehr Diagnosesicherheit (Zweitmeinung)
Wesentliche Aspekte für die klinische Nutzung
- Möglichkeit der Diagnosestellung und Dokumentation von Befunden und Bildern sowie deren Verlauf unter einer Therapie
- Rechtzeitiges Erkennen und Interaktionsmöglichkeit bei klinischen Hinweisen für behandlungsbedürftige Verschlechterung
- Möglichkeit der persönlichen Vorstellung des Pat. kann befundadaptiert erfolgen
Prof. Martin Kaatz, Dr. Julienne Kaufhold - Medizinische Universität Lausitz
Sabine Sell - Wald-Klinikum Gera
Hintergrund/Ziel
- Einbindung von Dermatoonkologen in die SAPV-Versorgung
- Schulung von Pflegekräften zur Versorgung dermatologischer Symptome bei Tumorpatienten
- Förderung der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin (gegenwärtig zwei Dermatologen, in Kürze drei)
- Verknüpfung des gegenseitigen Konsildienstes Dermatologie – Palliativmedizin
- Frühzeitige Anbindung von Patienten an SAPV
- Elektronische Verknüpfung von Klinik und dermatologischen Praxen mit gegenseitiger Einsichtnahme in Befunde und Therapien
- Studienregion: Altenburg, Gera, Greiz
- Modellregion Südwestsachsen, Lausitz
Klinikum Bremerhaven: Dr. med. Michael Sachse
Hintergrund
- Organtransplantierte Patienten haben ein bis zu 250-fach erhöhtes Hautkrebsrisiko.
- Das empfohlene Hautkrebsscreening findet in der Regel nicht an den Transplantationszentren statt.
- Weniger als 30% der organtransplantierten Patienten nehmen Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch.
- Aus präventionsmedizinischer Sicht kann das Hautkrebsrisiko neben einer modifizierten medikamentösen Immunsuppression insbesondere durch eine Verringerung der kumulativen UV-Licht-Exposition reduziert werden.
- Ein erhöhtes Risikobewusstsein (Wissenszuwachs) sowie Verhaltensänderungen in Bezug auf die UV-Licht-Prävention tragen zu einer verringerten UV-Licht-Exposition bei.
Ziele
- Erhöhung der Inanspruchnahme des Hautkrebsscreenings durch Kooperationen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung
- Frühzeitige Diagnose und ambulante Behandlung von kutanen Hauttumoren
- Überregionales Angebot für Hautkrebspräventionsschulungen
Umsetzung
- Überregionale Spezialsprechstunde für organtransplantierte Patienten
- Vernetzung zwischen Transplantationszentren, überregionalen Nachsorgeeinrichtungen und dem Hauttumorzentrum Bremerhaven
- Regelmäßige Schulungsveranstaltungen mit Transplantationseinrichtungen (z.B. Transplantationszentrum Bad Oeynhausen) und Selbsthilfegruppen
- Kooperation mit der GKV (z.B. AOK Bremen/Niedersachsen) bei landesweiten Hautkrebspräventionsschulungen
Universitätsklinikum Halle:
Prof. Dr. med. Sebastian haferkamp, Luisa Herda
Hintergrund/Ziel
- Netzwerk zur medizinischen Versorgung von Menschen im ländlichen Raum (Digitale Residenz-Praxis)
- enge Kooperation zwischen Pflegeexpert:innen (Studiengang Evidenzbasierte Pflege), Hausärzt*innen und Dermatolog*innen
- speziell qualifizierte Pflegefachkräfte übernehmen primären Kontakt und koordinieren Diagnostik
- Dezentrale teledermatologische Betreuung, Einbindung in Telematikinfrastruktur (TI)
Berichte/Publikationen
Berndt RD, Preik P, Takenga MC. Telemedizin. Teledermatologische Praxislösung mSkin®. Hautarzt 2019
Datzmann T et al. Are patients benefiting from participation in the German skin cancer screening programme? A large cohort study based on administrative data. BJD 2022
Hellmund P et al. Targeted and Checkpoint Inhibitor Therapy of Metastatic Malignant Melanoma in Germany, 2000-2016. Cancers 2020
Jünger M, Arnold A, Lutze S. Teledermatologie zur notfallmedizinischen Patientenversorgung. Hautarzt 2019
Mathiebe J, Reinhardt L et al. A Qualitative Needs Analysis of Skin Cancer Care from the Perspectives of Patients, Physicians, and Health Insurance Representatives — A Case Study from Eastern Saxony, Germany. Curr. Oncol. 2022
Matiszick A et al. PET/CT beim malignen Melanom: eine Zweiklassenversorgung Aktueller Stand der Versorgungssituation in der primären Ausbreitungsdiagnostik. JDDG 2021
Meier F. Video-Tumorboard Plus – Stärkung der regionalen Versorgung. Der Privatarzt Dermatologie. 1/2025. S. 42
Meier F. Dermatologisches Video-Tumorboard verbessert die Versorgung. DISKURS Hautkrebs. 9/2025.
Meier F, Weber H. ONCOnnect. Telemedizin als Brücke zwischen regionalen Praxen und Spitzenzentren. Hautnetz Magazin. 2/2025. S. 30-31.
Meier F, Weber H, Meyer-Acs M, Gluch H. Video Tumor Board PLUS (vTB+) – Expanding dermatooncology care in rural areas. DKK2026-378, Oncol Res Treat (2026) 49 (Suppl. 1): 1. p. 96. https://doi.org/10.1159/000550849
Meisterfeld S et al. Checkpoint-Inhibitor-Patient in der Notaufnahme: Intensiv- oder Palliativstation? Differenzialdiagnosen unter Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren. Krebs im Focus 2019
Reinhardt L et al: General practitioners’ perspectives on statutory skin cancer screening–A questionnaire-based cross-sectional survey in Germany. PLoS ONE 2024
Schoffer O et al. Treatment of malignant melanoma in certified cancer centres and its relationship to survival. medRxiv doi: https://doi.org/10.64898/2026.03.16.26347792
Steeb et al. The need for regular training in skin cancer screening: a cross-sectional study among general practitioners in Germany. JEADV 2022
Strasser C, Reinhardt L et al. Patientenorientierte, leitliniengerechte und wohnortnahe Versorgung für Hautkrebspatientinnen und -patienten. Aufbau eines Versorgungsnetzwerkes in Ostsachsen. Krebs im Focus 2021
Strunk A et al. Raising awareness of immune-related side effects in oncological patients under palliative care: a report of two cases. Ann Palliat. Med 2023
Takenga MC, Preik P, Berndt RD, Arnold A, Jünger M, Vikandy M. Design of a telehealth system adapted for health care delivery in rural areas: Tele-consults between general practitioners and specialists. IJISR 2020
Weber H, Bergmann M, Müller-Schuchardt A, Ziesch J, Schoffer O, Meier F im Rahmen des ONCOnnect Verbundprojektes. Dermatoonkologische Tumorboards für Patienten im Outreach – Wie gelangt medizinische Versorgung auf höchstem Niveau an Tumorpatienten im ländlichen Raum?, Abstract angenommen (ADO)
Weber H, Meier F, Schoffer O, Seidel P , Meyer-Ács M, Schüller-Ravoo S, Gluch H. Video-Tumorboard PLUS (vTB+) – Ausbau der dermato-onkologischen Versorgung in ländlichen Regionen. JDDG https://doi.org/10.1111/ddg.15934_g