Komitee Regionale dermatoonkologische Versorgungskonzepte

Die Versorgung von Krebspatienten in städtischen Regionen ist durch städtische und Universitätskliniken, niedergelassene Fach- und Hausärzte sowie gute Erreichbarkeit in der Regel gewährleistet. In ländlichen Regionen zeigen sich zunehmend Probleme bezüglich einer ausreichenden Versorgung von Krebspatienten. Bei zunehmendem Anstieg des Altersquotienten treten gehäuft Krebserkrankungen auf und nimmt der Versorgungsbedarf vor allem im ländlichen Raum zu. Gleichzeitig sinkt kontinuierlich die Anzahl der Hausärzte, Fachärzte und Onkologen besonders im ländlichen Raum. Neue medikamentöse Tumortherapien wie z.B. zielgerichtete und immunonkologische Therapie sowie multimodale Therapien nehmen permanent zu. Die Nebenwirkungen dieser Therapien sind neu, vielfältig und können lebensbedrohlich verlaufen. Das Nebenwirkungsmanagement erfordert daher Spezialwissen und Expertise. Ältere komorbide Krebspatient:innen im ländlichen Bereich können Städte teilweise nicht erreichen. Fahrtkosten für Kontrollen werden nicht immer von den Krankenkassen erstattet und komplexe Kontrollen für neue Therapien können nicht immer von Hausärzt*innen durchgeführt werden. Daher sind für Krebspatient*innen in ländlichen Regionen und die betreuenden Ärzt*innen neue Versorgungskonzepte erforderlich (Literatur: Vehling-Kaiser, Ursula; Utke, Daniela; Kaiser, Florian, Dtsch Ärztebl. 2018).

Ziel des Komitees „Regionale dermatoonkologische Versorgungskonzepte“ ist es, nachhaltige Versorgungsstrukturen zu schaffen, um eine bestmögliche, d.h. patientenorientierte, leitliniengerechte und möglichst wohnortnahe Versorgung für Hautkrebs-Patienten in unseren Versorgungsregionen sicherzustellen.

Sprecherin

Prof. Dr. med. Friedegund Meier

Prof. Dr. med. Friedegund Meier

Universitätsklinikum Dresden
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Oberärztin, Leiterin Hauttumorzentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

Telefon 0351 4583677 friedegund.meier@ukdd.de

Sprecher

Prof. Dr. Dr. med. Sebastian Haferkamp

Prof. Dr. Dr. med. Sebastian Haferkamp

Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Martin Luther Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube Straße 40
06120 Halle (Saale)

Telefon 0345 557 3925 sebastian.haferkamp@uk-halle.de

Designierte Sprecherin

Prof. Dr. med. Cindy Franklin

Prof. Dr. med. Cindy Franklin

Universitätsklinikum Dresden
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Leitende Oberärztin, Leitung Hauttumorzentrum
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

Telefon 0351 4582290 cindy.franklin@ukdd.de

Weitere Mitglieder

  • Dr. med. Andreas Arnold, Greifswald
  • Dr. rer. medic. Maike Bergmann, Dresden
  • PD Dr. med. Konstantin Drexler, Regensburg
  • Prof. Dr. med. Thomas Eigentler, Berlin
  • Luisa Herda, Halle
  • Prof. Dr. med. Martin Kaatz, Cottbus
  • Dr. med. Julienne Kaufhold, Cottbus
  • Dr. med. Stine Lutze, Greifswald
  • Dr. phil. Daniela Piontek, Dresden
  • Prof. Dr. med. Claudia Pföhler, Homburg
  • Dr. med. Michael Sachse, Bremerhaven
  • Prof. Dr. med. Lars Alexander Schneider, Ulm
  • PD Dr. Olaf Schoffer, Dresden
  • Sabine Sell, Gera
  • Prof. Dr. med. Michael Weichenthal, Kiel
  • Prof. Dr. med. Mirjana Ziemer, Leipzig

Projekte

Aufbau eines regionalen Versorgungsnetzwerkes für Hautkrebspatienten

Universitätsklinikum Dresden:
Prof. Dr. med. Friedegund Meier, Prof. Dr. med. Cindy Franklin, Dr. Maike Bergmann, Heidi Weber & Anne Müller-Schuchardt

Hintergrund/Ziel

  • Schaffung nachhaltiger Versorgungsstrukturen zur Sicherstellung patientenorientierter, leitliniengerechter und wohnortnaher Versorgung von Hautkrebspatienten in der Region
  • Weiterentwiclung und Roll-Out des Video-Tumorboard PLUS im Rahmen des ONCOnnect Verbundprojekt, d.h. Verbesserung des Zugangs zur Vorstellung im Video-Tumorboard für regionale Versorgungseinrichtungen und Anbindung an supportiven Angeboten
  • Vorstellung externer Patient*innen im ECTU-Board sowie Molekularem Tumorboard  ermöglichen
  • Ausbau der Zusammenarbeit mit ONCOnnect-Teilprojekten (u.a. ONCOtrials, ECTU-Tumorboard, kombiniertes Screening für Supportivtherapien, ONCOsupport)
  • Anbindung von externen Patient*innen an die KV-Eigenpraxis in Ebersbach-Neugersdorf (besetzt durch Dermatolog*innen des Universitätsklinikums Dresden) für eine wohnortnahe Versorgung

Arbeitsschwerpunkte

  • Frühdiagnose
  • Systemtherapien
  • Nebenwirkungsmanagement unter Immuntherapien
Telemedizinische Anwendungen in der dermatologischen Versorgung

Universitätsklinikum Greifswald:
Dr. med. Andreas Arnold. Dr. med. Stine Lutze

Hintergrund/Ziel

  • Vereinfachung des Zugangs zu medizinischer Therapie (raschere Kontaktaufnahme, keine pers. Vorstellung erforderlich, kein Termin)
  • Telemedizin ermöglicht medizinische Maßnahmen (anamnestisch, diagnostisch und ggf. therapeutisch) trotz räumlicher u./o. zeitlicher Trennung von Arzt und Patient:
  • „Telemedizinisches Konsil“: Konsultierter Facharzt kann via Telemedizin Stellung nehmen und Therapieempfehlungen geben
  • Qualitätsverbesserung der med. Behandlung durch mehr Diagnosesicherheit (Zweitmeinung)

Wesentliche Aspekte für die klinische Nutzung

  • Möglichkeit der Diagnosestellung und Dokumentation von Befunden und Bildern sowie deren Verlauf unter einer Therapie
  • Rechtzeitiges Erkennen und Interaktionsmöglichkeit bei klinischen Hinweisen für behandlungsbedürftige Verschlechterung
  • Möglichkeit der persönlichen Vorstellung des Pat. kann befundadaptiert erfolgen
Palliativmedizinische Versorgung im strukturschwachen Raum für dermatoonkologische Patienten

Prof. Martin Kaatz, Dr. Julienne Kaufhold - Medizinische Universität Lausitz
Sabine Sell - Wald-Klinikum Gera

Hintergrund/Ziel

  • Einbindung von Dermatoonkologen in die SAPV-Versorgung
  • Schulung von Pflegekräften zur Versorgung dermatologischer Symptome bei Tumorpatienten
  • Förderung der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin (gegenwärtig zwei Dermatologen, in Kürze drei)
  • Verknüpfung des gegenseitigen Konsildienstes Dermatologie – Palliativmedizin
  • Frühzeitige Anbindung von Patienten an SAPV
  • Elektronische Verknüpfung von Klinik und dermatologischen Praxen mit gegenseitiger Einsichtnahme in Befunde und Therapien
  • Studienregion: Altenburg, Gera, Greiz
  • Modellregion Südwestsachsen, Lausitz
Hautkrebsprävention und optimierte dermatologische Nachsorge von organtransplantierten Patienten in ländlichen Regionen

Klinikum Bremerhaven: Dr. med. Michael Sachse

Hintergrund

  • Organtransplantierte Patienten haben ein bis zu 250-fach erhöhtes Hautkrebsrisiko.
  • Das empfohlene Hautkrebsscreening findet in der Regel nicht an den Transplantationszentren statt.
  • Weniger als 30% der organtransplantierten Patienten nehmen Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen in Anspruch.
  • Aus präventionsmedizinischer Sicht kann das Hautkrebsrisiko neben einer modifizierten medikamentösen Immunsuppression insbesondere durch eine Verringerung der kumulativen UV-Licht-Exposition reduziert werden.
  • Ein erhöhtes Risikobewusstsein (Wissenszuwachs) sowie Verhaltensänderungen in Bezug auf die UV-Licht-Prävention tragen zu einer verringerten UV-Licht-Exposition bei.

Ziele

  • Erhöhung der Inanspruchnahme des Hautkrebsscreenings durch Kooperationen mit der Gesetzlichen Krankenversicherung
  • Frühzeitige Diagnose und ambulante Behandlung von kutanen Hauttumoren
  • Überregionales Angebot für Hautkrebspräventionsschulungen

Umsetzung

  • Überregionale Spezialsprechstunde für organtransplantierte Patienten
  • Vernetzung zwischen Transplantationszentren, überregionalen Nachsorgeeinrichtungen und dem Hauttumorzentrum Bremerhaven
  • Regelmäßige Schulungsveranstaltungen mit Transplantationseinrichtungen (z.B. Transplantationszentrum Bad Oeynhausen) und Selbsthilfegruppen
  • Kooperation mit der GKV (z.B. AOK Bremen/Niedersachsen) bei landesweiten Hautkrebspräventionsschulungen
Dermatologische Gesundheitsversorgung auf dem Land

Universitätsklinikum Halle:
Prof. Dr. med. Sebastian haferkamp, Luisa Herda

Hintergrund/Ziel

  • Netzwerk zur medizinischen Versorgung von Menschen im ländlichen Raum (Digitale Residenz-Praxis)
  • enge Kooperation zwischen Pflegeexpert:innen (Studiengang Evidenzbasierte Pflege), Hausärzt*innen und Dermatolog*innen
  • speziell qualifizierte Pflegefachkräfte übernehmen primären Kontakt und koordinieren Diagnostik
  • Dezentrale teledermatologische Betreuung, Einbindung in Telematikinfrastruktur (TI)

Berichte/Publikationen

Berndt RD, Takenga MC, Kuehn S, Preik P, Dubbermann D, Juenger M. Development of a mobile teledermatology system. Telemed J E Health 2012

Berndt RD, Preik P, Takenga MC. Telemedizin. Teledermatologische Praxislösung mSkin®. Hautarzt 2019

Datzmann T et al. Are patients benefiting from participation in the German skin cancer screening programme? A large cohort study based on administrative data. BJD 2022

Hellmund P et al. Targeted and Checkpoint Inhibitor Therapy of Metastatic Malignant Melanoma in Germany, 2000-2016. Cancers 2020

Jünger M, Arnold A, Lutze S. Teledermatologie zur notfallmedizinischen Patientenversorgung. Hautarzt 2019

Mathiebe J, Reinhardt L et al. A Qualitative Needs Analysis of Skin Cancer Care from the Perspectives of Patients, Physicians, and Health Insurance Representatives — A Case Study from Eastern Saxony, Germany. Curr. Oncol. 2022

Matiszick A et al. PET/CT beim malignen Melanom: eine Zweiklassenversorgung Aktueller Stand der Versorgungssituation in der primären Ausbreitungsdiagnostik. JDDG 2021

Meier F. Video-Tumorboard Plus – Stärkung der regionalen Versorgung. Der Privatarzt Dermatologie. 1/2025. S. 42

Meier F. Dermatologisches Video-Tumorboard verbessert die Versorgung. DISKURS Hautkrebs. 9/2025.

Meier F, Weber H. ONCOnnect. Telemedizin als Brücke zwischen regionalen Praxen und Spitzenzentren. Hautnetz Magazin. 2/2025. S. 30-31.

Meier F, Weber H, Meyer-Acs M, Gluch H. Video Tumor Board PLUS (vTB+) – Expanding dermatooncology care in rural areas. DKK2026-378, Oncol Res Treat (2026) 49 (Suppl. 1): 1. p. 96. https://doi.org/10.1159/000550849

Meisterfeld S et al. Checkpoint-Inhibitor-Patient in der Notaufnahme: Intensiv- oder Palliativstation? Differenzialdiagnosen unter Therapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren. Krebs im Focus 2019

Reinhardt L et al: General practitioners’ perspectives on statutory skin cancer screening–A questionnaire-based cross-sectional survey in Germany. PLoS ONE 2024

Schoffer O et al. Treatment of malignant melanoma in certified cancer centres and its relationship to survival. medRxiv doi: https://doi.org/10.64898/2026.03.16.26347792

Steeb et al. The need for regular training in skin cancer screening: a cross-sectional study among general practitioners in Germany. JEADV 2022

Strasser C, Reinhardt L et al. Patientenorientierte, leitliniengerechte und wohnortnahe Versorgung für Hautkrebspatientinnen und -patienten. Aufbau eines Versorgungsnetzwerkes in Ostsachsen. Krebs im Focus 2021

Strunk A et al. Raising awareness of immune-related side effects in oncological patients under palliative care: a report of two cases. Ann Palliat. Med 2023

Takenga MC, Preik P, Berndt RD, Arnold A, Jünger M, Vikandy M. Design of a telehealth system adapted for health care delivery in rural areas: Tele-consults between general practitioners and specialists. IJISR 2020

Weber H, Bergmann M, Müller-Schuchardt A, Ziesch J, Schoffer O, Meier F im Rahmen des ONCOnnect Verbundprojektes. Dermatoonkologische Tumorboards für Patienten im Outreach – Wie gelangt medizinische Versorgung auf höchstem Niveau an Tumorpatienten im ländlichen Raum?, Abstract angenommen (ADO)

Weber H, Meier F, Schoffer O, Seidel P , Meyer-Ács M, Schüller-Ravoo S, Gluch H. Video-Tumorboard PLUS (vTB+) – Ausbau der dermato-onkologischen Versorgung in ländlichen Regionen. JDDG https://doi.org/10.1111/ddg.15934_g